Hilfe, Maria! – Grüne: Bilderstock an der Gruft soll weg

In Kleve ist ein Streit über den Bildstock an der Gruft entstanden. Die Grünen wollen „das Ding“ umsetzen lassen.

"Wer will denn da beten?"

„Wer will denn da beten?" Die sonst so besonnene Wiltrud Schnütgen regt sich auf: „Ganz Kleve ist schockiert. Wie kommt ein Donsbrügger nur auf die Idee, an dieser Stelle ein Marienbild aufzustellen?" Die Grünen-Politikerin kann es nicht fassen, dass die Klever Stadtverwaltung es dem Pfarrer Bernhard Weskamp erlaubt hat, an der Gruft einen Bildstock mit Madonna zu erstellen (wir berichteten). Im Bauausschuss kündigte Schnütgen an, dass die Grünen einen Antrag auf Entfernung stellen werden.

In der Dimension getäuscht

„Wurde die Stadtverwaltung bei der Vorstellung des Vorhabens getäuscht", wollte die Politikerin wissen. Jürgen Rauer antwortete: „Es ist sicherlich nicht richtig zu behaupten, dass wir getäuscht worden sind." Aber auf dem vorgelegten Plan sehe der Bildstock kleiner aus, als er „sich jetzt in der Realität darstellt". „Wir haben uns in der Dimension getäuscht", so Rauer.

Politik nicht informiert

Wie berichtet, möchte Pfarrer Bernhard Weskamp an der Gruft eine Madonna errichten lassen. Die Betonarbeiten dafür sind abgeschlossen. Am 11. Oktober soll der Bildstock eingeweiht werden. Offenbar wurde die Politik darüber nicht informiert. Bürgermeister Theo Brauer betont, dass die Verwaltung in dieser Angelegenheit ohne Ratsbeschluss entscheiden durfte. Es sei nicht um eine Genehmigung gegangen, sondern um eine Gestattung. Brauer sagt aber auch: „Sicherlich ist der Bildstock großzügig ausgefallen. Das hat uns auch überrascht."

Eine religiöse Markierung

Pfarrer Weskamp war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, da er in einem Kloster weilte. In einer Pressemitteilung aus seinem Hause heißt es allerdings, dass der Bildstock „eine religiöse Markierung im – räumlichen -Mittelpunkt der fusionierten Pfarrgemeinden der Maria Himmelfahrt" bilde. Der Standort an der Gruft sei „eine der belebtesten Klever Straßen", liege am Fernwanderweg E 8 (Schottland, Karpaten, Bulgarien) und am Pilgerweg Santiago de Compostela! Die Sponsoren seien Bernd Zevens, die Kistersstiftung und private Spender. Die Fundamente seien von Erich Tönnissen gespendet und der Bildstock in der Schlosserei der JVA-Kleve gefertigt worden.
Weskamp möchte mit diesem religiösen Bildnis „unsere neue Pfarrgemeinde unter den Schutz der Gottesmutter stellen". Und: „Autofahrer wie Radfahrer sowie Fußgänger sind im täglichen Stress eingeladen innezuhalten und sich unter den Schirm der Gottesmutter nehmen zu lassen!"
 Marienstatue – Foto: Reimann

Mit dem Bagger nach Donsbrüggen bringen

Innehalten? An der Gruft? Für Wiltrud Schnütgen ein Witz. Im Bauausschuss fragte sie provokativ: „Was hindert die Verwaltung eigentlich daran, das Ding mit ei
nem großen Bagger nach Donsbrüggen zu bringen?" Daraufhin Dezernent Rauer: „Wenn der Rat uns aufträgt, das zu beseitigen, dann werden wir das tun."

Alfred Reimann kann die emotionale Diskussion nicht nachvollziehen. Er hat den Bildstock gebaut: „Ich bin ziemlich sprachlos. Man sollte an dieser Stelle auch nicht
innehalten, sondern mit einem Blick die Madonna erfassen." Persönlich ha
be er bislang nur positive Reaktionen erhalten.

Aufzug gen Himmel

Reimann habe einen ordentlichen Bauantrag gestellt, der von Dezernent Rauer auch genehmigt worden sei. „Jetzt wird alles kaputt geredet", so Reimann. „Man sollte doch erst einmal abwarten." Im Bildstock wird bald eine lebensgroße Lourdes-Madonna zu sehen sein. Durch die Stahlkonstruktion wirke die Madonna, „wie in einem Aufzug gen Himmel", so Reimann.
 
Andreas Gebbing, NRZ Kleve vom 01.10.2011

Artur Leenders im Bauausschuss

"Ich habe da eine Anfrage der evangelischen Kirche, die wollen einen zwei mal vier Meter großen Fisch am Elsabrunn errichten. Ich kann denen doch die Zustimmung erteilen, oder?" Artur Leenders,  stellvertretender Bürgermeister, der Grünen spottete im Bauausschuss über die Erteilung der Baugenehmigung für den Bilderstock an der Gruft.

Quelle: NRZ vom 01.10.2011, 7. Spalte

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Denkmalsatzung der Stadt Kleve

Hier finden Sie die Denkmalsatzung des Stadt Kleve über den Bereich des neuen Tiergartens, der bis zur Gruftstraße reicht. Die Klever Gartenanlagen sind von europäischem Rang. Jede bauliche Veränderung ist mit mit den Denkmalbehörden abzustimmen.

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