Vegetarisch oder Öko?

Großes Interesse fand die Debatte der Grünen über Ernährung und Verbraucherverhalten. Nach mehreren öffentlichen Veranstaltungen zum Thema fasst nun ein Beschluss der Kreismitgliederversammlung die Meinung zusammen.

Auf der Kreismitgliederversammlung der Grünen am 14.09. wurde dazu folgender Beschluss gefasst:

Antrag zur Art der Verpflegung bei Veranstaltungen von Bündnis90/DIE GRÜNEN im Kreis Kleve

Land- und Ernährungswirtschaft betreffen uns tagtäglich. Mit unserem Ess- und Verbrauchsverhalten tragen wir zur Ausrichtung der Landwirtschaft und der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte auch im Kreis Kleve bei. Die heimische Landwirtschaft agiert jedoch nicht losgelöst von globalen Stoffströmen. Die hiesigen Landwirte tragen mit zum Exportüberschuss an Getreide der europäischen Union bei und setzen im Gegenzug insbesondere bei der konventionellen Tierhaltung zur Fleisch- und Milcherzeugung auch Soja aus Nord- und Südamerika (vor allem Argentinien und Brasilien) ein. Sojaextraktionsschrot ist der entscheidende Bestandteil der Eiweißversorgung von Tieren geworden, seitdem infolge der BSE-Krise die Verfütterung von Tierkörpermehlen verboten worden ist.
Die Sojaproduktion hat insbesondere in Südamerika in erheblichem Umfang zur Landumverteilung geführt. Zudem beträgt der Anteil an gentechnisch verändertem Soja inzwischen rund 80%. Gentechnisch veränderter Soja wird vor allem auf Pestizidresistenz gezüchtet. Die Inhaber der Patente auf die Sojapflanzen und die Spritzmittel sind multinationale Großkonzerne wie Monsanto, die durch den weitverbreiteten Einsatz des Gensoja die Landwirte in Dauerabhängigkeit bringen und immer mehr Urwald in Soj a-Monokulturen wandeln.
Der ökologische Landbau erfüllt die grüne Forderung nach artgerechter Tierhaltung, nach Kreislaufdenken und geringster Umweltbelastung. Kernbestandteil grüner Politik ist daher aktuell eine europäische Eiweißstrategie. Ziel muss es sein, die europäische Tierhaltung für Milch und Fleisch aus heimischen Eiweißträgern wie Lupinen, Ackerbohnen, Erbsen und auch europäischem Soja sicher zu stellen. Im Ökolandbau darf Soja nur aus nicht gentechnisch veränderten Pflanzen verwendet werden. Durch das Verbot der chemischen Extraktion ist im Sojakuchen der Restölgehalt so hoch, dass ohnehin die notwendige Eiweißmenge aus der Ergänzung mit den Leguminosen erreicht wird. Die Milchwirtschaft hat wie Dr. Anita Idel eindrucksvoll belegt hat zudem durch die vermehrte Verfütterung von Mais und Raps eine Richtung eingeschlagen, die extrem klimaschädigend ist. Die Wiederausrichtung der Milchwirtschaft auf Grünlandbeweidung würde durch vermehrte CO2-Bindung im Boden im Gegenteil positiv wirken.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Hungerkrise in Somalia und Kenia stellt sich die Frage nach globaler Nahrungsgerechtigkeit und unseren Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen. Die Hungerkatastrophe scheint vor allem eine Folge des Klimawandels einhergehend mit der Bevölkerungszunahme zu sein: Dürreperioden werden länger, Vieh findet keine Nahrung mehr, Ackerfrüchte verdorren. Mathematisch gesehen ließe sich durch Umleiten der weltweiten Getreideströme in die Krisenregionen das Leid lindern, entwicklungspolitisch gesehen sollte jedoch solch eine Nahrungsmittelversorgung nicht Basis der Entwicklung sein.

Die Grünen im Kreis Kleve sehen sich in der Verantwortung, durch ihr Tun für die VerbraucherInnen im Kreis ein positives Beispiel zu geben, für eine Wertschätzung der Lebensmittel. Die landwirtschaftlichen Strukturen, die die zentralen Forderungen grüner Landwirtschaftspolitik (ökologisch, sozial, tiergerecht und regional) erfüllen, sollen unterstützt werden. Dies betrifft die Milchbetriebe, Ackerbaubetriebe und Mastbetriebe.
Eine Möglichkeit der Unterstützung ist der Einsatz ökologischer und regionaler Lebensmittel bei kreisgrünen Veranstaltungen. Die Grünen setzen damit ein deutliches Zeichen und geben somit den Alternativen eine Chance.

Die Grünen im Kreis Kleve beschließen, auf Veranstaltungen des Kreisverbandes die Versorgung umzustellen auf Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung. Die Herkunft sollte zusätzlich möglichst regional sein. Der Anteil von Lebensmitteln tierischer Herkunft, also Produkte aus Milch, Fleisch und Fisch soll dabei auf einen ernährungsphysiologisch sinnvollen Anteil begrenzt sein.

Kreismitgliederversammlung im Kolpinghaus Goch, 14.09.2011 (mit großer Mehrheit angenommen)

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