Zügelt die Landwirtschaft

Ute Sickelmann spricht sich für eine neue bäuerliche Agrarkultur aus. Massentierhaltung sei nicht die Zukunft, sagt die raktionsvorsitzende von Bündnis 90 / die Grünen im Kreistag.


Ute Sickelmann, Fraktionsvorsitzende von Buendnis 90 /die Gruenen im Kreistag. Foto: Thorsten Lindekamp, NRZ / WAZ FotoPool

Ekelschwelle überschritten

Die Ekelschwelle ist für Ute Sickelmann schon längst überschritten. Die niederrheinische Landwirtschaft sei auf dem besten Wege, der industriellen Massentierhaltung – mit wenig Gespür fürs Tierwohl. Die geplanten drei Hähnchenmastanlagen im Südkreis (Kevelaer, Weeze und Geldern), für jeweils über 120 000 Tiere, hält die Kreispolitikerin der Grünen für eine falsche Entwicklung: „Wir gehen sehenden Auges in die Überproduktion und produzieren für die abgelegensten Märkte.“
Landwirtschaft, davon ist die streitbare Fraktionsvorsitzende überzeugt, muss sich künftig verstärkt in der Region und für die Region abspielen. Denn für die regionale Vermarktung gebe es eine Nachfrage – und eine öffentliche Akzeptanz. In der vergangenen Woche diskutierte man gemeinsam mit Umweltminister Johannes Remmel zu diesem brisanten Thema (wir berichteten).

Die Umweltqualität beachten

Überfüllte Hähnchenmastbetriebe, die anfällig sind für Bakterien und Krankheitserreger, könnten nicht die Zukunft der Landwirtschaft sein. Sickelmann: „Wir müssen uns auch fragen: Was soll der Niederrhein denn werden? Eine Fläche für die Agrarindustrie?“ Hier sei die Raumplanung gefragt: Sickelmann hält es für angebracht, die Privilegierungen für Bauten im Außenbereich zu beenden: „Das heißt nicht, dass Landwirte nicht mehr ihre Hofstellen erweitern können“. Aber die Dimensionen, in denen jetzt Höfe erweitert werden, könne man begrenzen. „Und man muss diese Vorhaben begrenzen, wenn man die Umweltqualität nicht verlieren will“, ist Sickelmann überzeugt. Zudem entzögen Landwirte durch ihr intensives Wirtschaften sich selbst die Basis.
Doch trotz der vielen Nachteile werde weiterhin der Weg der Massentierhaltung gesucht und werden Hühner für 60 Cent je Tier „produziert“. Die Bodenbelastung durch Düngereintrag sei schon heute im Kreis Kleve immens, sagt Sickelmann.

Gülleimport beschränken

Gemeinsam mit der SPD-Fraktion machen sich die Grünen daher für eine stärkere Kontrolle der Gülleimporte aus den Niederlanden stark. „Hier wird Abfallbeseitigung im Kreis Kleve betrieben“, sagt Sickelmann. Eine gemeinsame Kreistags-Resolution greift das Thema auf. Denn für die Grünen liegt es auf der Hand, dass mittlerweile illegal Gülle auf niederrheinischen Äckern verklappt wird.
Für Sickelmann wiegt das Thema schwer. Besonders vor dem Hintergrund des sensiblen Wasserhaushaltes. Seit Jahr und Tag versucht sie der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Ressource Trinkwasser zu vermitteln. Bei einem fortschreitenden Klimawandel könne die gute Trinkwasserqualität ein sehr wertvolles Gut werden.
Andreas Gebbing, NRZ Kleve, 21.02.2011

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