Bellevue-Gelände wird bebaut

Mit knapper Mehrheit – gegen die Stimmen der Grünen – -genehmigte der Rat die Offenlegung des Bebauungsplanes an der Bellevue. Dort sollen drei Sechs- bis Achtfamilienhäuser entstehen, die das Gesicht der Stadt an historischer Stelle stark verändern.


Die Villa Bellevue an der Nassauer Allee 49 im Jahre 2008 – Foto: Velten


An der Bellevue sollen kurzfristig große Mehrfamilienhäuser gebaut werden dürfen. Ein Investor plant dort zwei dreigeschossige Häuser mit jeweils sechs Parteien in Straßennähe und einen vergleich-baren Block im rückwärtigen Teil des Grundstückes. Bis jetzt sind auf dieser Seite der Nassauerallee ein¬schließlich der Landeszentralbank nur eingeschossige Bauten im vor¬deren Bereich der Grundstücke, die sich dort in lockerer Bebauung aufreihen.

Grüne: Vehement dagegen

CDU-Fraktionschef Udo Janssen sieht in der neuen Bebauung eine konsequente Fortführung der Stadtentwicklung von Innen nach Außen. Die Firsthöhen der Neu-bauten richteten sich nach den Häusern der Umgebung, sagt Jans-sen. So argumentiert auch Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer: „Da das Grundstück stark abfällt, sehen wir von der Straße aus nur eine zweigeschossige Bebauung".

Dabei wurden die Firsthöhen der Häuser über „Normal Null" gemessen. Der Trick: Da die umliegenden Häuser höher liegen, werden so trotz umliegender ein- bis eineinhalbgeschossiger Bebauung plötzlich die dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser möglich.

FDP: In Ordnung

Während Barend van Ackeren für die FDP die Bebauung an der Bellevue und die Höhen als „in Ornung" ansah, wehrte sich Wiltrud Schnütgen von den Grünen vehement gegen die Pläne. Die Häuser hätten Kantenlängen von bis zu 16 Metern, damit würde entlang der Straße ein 46 Meter breites Grundstück in 32 Meter Länge überbaut.

Wenn man die nötigen Abstands-flächen abzieht, scheine das nicht großzügig zu sein. „Wir können dort Einfamilienhäuser genehmigen, aber nicht solche Klötze", sagt Schnütgen. Joseph Gietemann (SPD) bemängelte, dass die Volumina der geplanten Neubauten erheblich größer seien, als die der nachbarschaftlichen Bebauung. Siegbert Garisch mutmaßte, dass man hier ein neues Baugebiet schaffe, um einen Investor „aus der Patsche zu helfen". Nach von den Grünen beantragter geheimer Abstimmung waren 25 Ratsmitglieder für die Bebauung, 21 votierten dagegen, zwei enthielten sich.

Matthias Grass, RP vom 30.09.2010


Anbei lesen sie den Artikel zum Thema aus www.kleveblog.de zum Thema. Dazu gibt es inzwischen 13 Kommentare …

Belle Block

30. September 2010 · Ralf Daute

Einst Bellevue, bald Baustelle, dann Heimat dreier Wohnblocks mit ca. 20 Wohnungen. Wer je an Kleve gehangen hat und die Stadt nicht als seelenlosen Ort zum Geldrauspressen betrachtet, der dürfte sich gestern angesichts der im Stadtrat mit 25:21 Stimmen genehmigten Bebauung für die Bellevue (Nassauer Allee 49) recht deprimiert gefühlt haben.

Um es mal so zu beschreiben:
Bellevue, das war einst die Sommerresidenz der niederländischen Adelsfamilie van Spaen, mit einem allen Besuchern offen stehenden Garten, in dem Pfirsich- und Orangenbäume wuchsen, mit Laubengang und Volieren, mit einem Aussichtspavillon. 1763 nächtigte Preussenkönig Friedrich II. in Begleitung Voltaires mehrere Tage auf der Bellevue. Eine zweite Blüte erlebte das Anwesen, nachdem die Düsseldorfer Fabrikantenwitwe Julie Hiby es erworben hatte. Sie begann damit Orchideen zu züchten und Obst anzubauen, längs der Gocher Landstraße ließ sie Wohnhäuser für ihre Angestellten errichten. Sie starb 1906. Danach war es Hans-Gerd Hiby, ein vielseitig kulturell und sozial engagierter Mensch (auf ihn geht unter anderem die Mineraliensammlung in der Schwanenburg zurück), der die Tradition fortführte. Bis in unsere Tage wohnte dann die Hiby-Tochter Erika Hiby-Werth auf der Bellevue, und einer ihrer Wünsche war es, dass der – gemeinnützig geführte – Obstgarten in eine Stiftung überführt wird.
Das wurde aber nichts.

Bellevue, das wird demnächst “eine konsequente Fortführung der Stadtentwicklung von innen nach außen” (CDU-Fraktionschef Udo Janssen). “Da das Grundstück stark abfällt, sehen wir von der Straße aus nur eine zweigeschossige Bebauung” (Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer). Das 46 Meter breite Grundstück wird zu 32 Metern überbaut. Der in der Zeitung namentlich nicht genannte Investor ist die Zevens Grundbesitz GmbH, die für Bauten wie das “Nachttheater” und das “eoc” einen gewissen Ruf genießt. Immerhin, die Grünen merken noch was: “Hier wird ein neues Baugebiet geschaffen, um einem Investor aus der Patsche zu helfen” (Siegbert Garisch). Und Wiltrud Schnütgen: “Wir können dort Einfamilienhäuser genehmigen, aber nicht solche Klötze.”
Rainer Hoymann hat ergänzend zum Thema noch etwas geschrieben und die folgende, recht eindrucksvolle Liste zusammengestellt:
   

Dr. Friedrich Gorissen hat beim Anblick des wiederaufgebauten Kleves gesagt [sinngemäß]: “von außen Positano, von innen Bottrop”. Ich befürchte, dass mit diesem Bauvorhaben die Silhouette Kleves um rotgeklinkerte, monotone Wohntürme bereichert wird. Neben Schwanenburg und Stiftskirche zeigt sich dann von den Galleien ein Stilelement des modernen Kleves. Von außen Bottrop, von innen Bottrop. Der Goethe-Spruch “Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen” – und nicht, um es zu zerstören, ist den Stadtvätern seit jeher nicht bekannt.

Der Beispiele gibt es viele, spontan seien einige genannt:
    * Hotel Bollinger
      jetzt: Wohn- und Geschäftshaus, rotgeklinkert.
    * Villa Steiger
      jetzt: Wohnhaus, rotgeklinkert.
    * Schützenhaus
      jetzt: Wiese, grün. Manchmal stellt der Kleinkunstverein cinque ein Spiegelzelt drauf.
    * Heidelberger Faß
      jetzt: Einfahrt zum Aldi-Parkplatz in Kellen, grau.
    * alter Hebekran am Hafen
      jetzt: nichts.
etc., etc., etc.

Hier finden sie einen Link zum Kleve-Blog.

Hier finden sie einen Artikel von Ralf Daute aus der RP vom 07.12.2009 zum Thema: "Von König Friedrich zu "Mom".

Hier finden sie einen Flyer zur Geschichte von Haus Bellevue vom Arbeitskreis Kermisdahl.

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